Die Weltkonjunktur ist im Jahr 2008 durch die globale Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf die Realwirtschaft schwer belastet worden. Wegen des massiven Einbruchs der Konsum- und Investitionsgüternachfrage im vierten Quartal gerieten die Industrieländer in eine Rezession. Das globale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (+2,2 %) lag im Jahr 2008 unter unserer Prognose (+2,8 %) sowie unterhalb des Trendwachstums. Ab Jahresmitte 2008 waren für die Chemie keine Wachstumsimpulse mehr zu verzeichnen.
Die globale Finanzkrise hat die Konjunktur 2008 stark beeinträchtigt. Durch die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September wurde die Vertrauenskrise im Finanzsektor verschärft. Außerdem haben sehr hohe Energie- und Rohstoffpreise die Nachfrage belastet, insbesondere im zweiten und dritten Quartal 2008.
Die Regierungen und Notenbanken haben gemeinsam einen finanziellen Schutzschirm bereitgestellt, um die Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte wiederherzustellen. Zudem wurden die Zinsen drastisch gesenkt. Diese Maßnahmen haben das Finanzsystem bisher nur partiell stabilisiert. Die Turbulenzen haben zu einer globalen wirtschaftlichen Vertrauenskrise geführt. Nicht nur die Finanzierungskosten, sondern auch die Risikoprämien und die Kreditstandards haben sich erhöht.
Durch die realwirtschaftlichen Auswirkungen der Finanzkrise hat sich das weltweite Wachstum ab dem dritten Quartal stark abgeschwächt. Viele Industrieländer – vor allem die USA, Großbritannien, Spanien, Deutschland, Italien und Japan – sind in eine Rezession geraten, die sich besonders im vierten Quartal durch die einbrechende Industrieproduktion verschärfte. Das globale Bruttoinlandsprodukt wuchs 2008 wesentlich schwächer (+2,2 %) als in den drei vorangegangenen Jahren.
Bruttoinlandsprodukt 2008 Reale Veränderung gegenüber Vorjahr

Entwicklung nach Regionen
In Europa befindet sich die Konjunktur seit dem zweiten Halbjahr 2008 in einem Abschwung, der sich Ende des Jahres massiv verschärft hat. Großbritannien, Irland und Spanien sind infolge der Immobilien- und Finanzkrise in eine Rezession geraten. Auch die restliche EU weist eine rezessive Tendenz auf, die auf Konsumzurückhaltung und markante Exporteinbußen zurückzuführen ist. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ist deutlich zurückgegangen (2007: +2,8 %; 2008: +1,0 %).
Die USA standen im zweiten Halbjahr 2008 gänzlich unter dem Anpassungsdruck des rezessiven Immobilienmarktes und der Krise am Finanzmarkt. Der massive Einbruch im Bausektor und beim Konsum, hier insbesondere bei der Automobilnachfrage, haben das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts deutlich reduziert (+1,2 %). Durch höhere Zinslasten, negative Vermögenseffekte und sinkende Beschäftigung ist der private Konsum und als Folge die Unternehmensinvestitionen stark zurückgegangen.
Das Wachstum in Asien (ohne Japan) war bis zum zweiten Quartal robust, konnte sich aber danach nicht vom weltwirtschaftlichen Abschwung entkoppeln. Besonders in der ASEAN-Region, in Korea und in Taiwan setzte ab dem zweiten Quartal in der Industrieproduktion eine rezessive Tendenz ein, die sich im dritten Quartal infolge der konjunkturellen Abkühlung in China verstärkte. Gegenüber dem Vorjahr (+8,8 %) schwächte sich das Wachstum in Asien (ohne Japan) deutlich ab (+6,7 %).
Japan ist wegen seiner erheblichen Verflechtung mit den Absatzmärkten USA und EU ebenso von der Rezes-sion betroffen und ist 2008 nur schwach gewachsen (+0,1 %).
In Südamerika ist das bislang starke regionale Wachstum zurückgegangen (+5,0 %). Der Einbruch der Rohstoffpreise im zweiten Halbjahr 2008 hat insbesondere die auf Export ausgerichteten Rohstoffindustrien betroffen.
WELTWIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG 2008
- Wachstum des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (+2,2 %) deutlich unter unserer Prognose (+2,8 %)
- Starke Belastung der Weltwirtschaft im Jahr 2008 durch Finanzkrise und sehr hohe Rohstoffpreise
- Keine Wachstumsimpulse für die chemische Industrie seit Mitte 2008
